Aktiver Neubeginn (1949-1953)

Festmesse anläßlich des Stiftungsfestes 1949 in der Tullner Minoritenkirche
Die Bundesbrüder Matyas, Philippi, Grusch, Hiesinger und Pfiel (v.l.n.r.) beim Stiftungsfest 1950
Die Bundesbrüder Franz Erik Langer und Franz Hiesinger auf dem Pennälertag 1951 in Melk
Chargierte Comagenen auf dem Pennälertag in Wien 1951 (Maximilian Philippi, Franz Hiesinger und Herbert Grusch (v.l.n.r.)

Am 1. Juli 1949 war es dann endlich so weit: Mitglieder des CV-Bezirksphilisterzirkels, des Aggstein-Bezirksphilisterzirkels, der Tullner CV-Aktivitas und ehemalige Gründungsburschen von 1933 trafen einander im Hause des Bezirkshauptmannes Dr. Sykora, um über die Wiedergründung zu beraten. Als nun seitens der Gründungsburschen Bedenken gegen eine Wiedergründung Comagenae laut wurde und die Diskussion kulminierte, erhob sich Anton Matyas (II.) als semesterältester Bursch der Tullner CV-Aktivitas und erklärte Comagena für gegründet, indem er durch Handschlag die anwesenden Tullner CV-Aktiven zu Burschen der wieder gegründeten Comagena erklärte.

Das Gründungssemester der nun wieder Wirklichkeit gewordenen Comagena vom 1. Juli bis zum 31. August 1949 war von zahlreichen Aktivitäten des ersten CC nach der Wiedergründung erfüllt. Dieses CC setzte sich wie folgt zusammen: Senior war Bbr. Anton Matyas (II.), Consenior war Bbr. Rudolf Eigner, Schriftführer waren die Bbr.Bbr. Josef Hamr und Erich Winkler, und Kassier sowie Fuchsmajor war in Personalunion Bbr. Helmut Brunner. Der erste BC beschloss, in Abänderung des alten Namens, die wiedergegründete Korporation „Katholisch-österreichische Mittelschulverbindung Comagena“ zu nennen; Farben, Wahlspruch und Zirkel wurden gleich belassen, allerdings wurden jetzt Wichsen mit weißen Fläusen angeschafft. Die Verbindung wurde vereinsrechtlich genehmigt und mietete im Haus Nibelungengasse 20 (ehemaliges Haus neben dem Römerturm) eine erste Bude. In einem ersten AC sprach Bbr. Rechnungsrat Jaro Sterbik-Lamina über „Geschichte und Probleme des MKV“. Das Gründungssemester fand seinen Abschluss im Festkommers anlässlich der Wiedergründung Comagenae am 20. August 1949 im Gasthof Eckerl. Bei diesem sehr gut besuchten Kommers (14 Chargierte, über 150 Gäste) wurden an Hochw. Prof. Franz Edlhofer als Ehrenmitglied, Bezirkshauptmann Dr. Johann Sykora als Ehrenphilister und Prof. Dr. Walter Fleischhacker, Dr. Hans Geyer und den Tullner Gymnasialdirektor DI Leopold Zaussinger als Bandphilister die Bänder Comagenae verliehen. Interessant sind aus späterer Sicht die Namen der bei diesem Festkommers rezipierten Gründungsfuchsen: Leopold Eigenseder, Roderich Geyer, Franz Hiesinger, Anton Kutzacz und Edwin Pircher.

Im Wintersemester 1949/50, unter Senior Bbr. Anton Matyas (II.), kam es zur Gründung der Altherrenschaft Comagenae. Sie bestand zunächst aus 47 Philistern, die sich vor allem aus Alten Herren des Aggstein-Bezirksphilisterzirkels, des CV-Bezirksphilisterzirkels und aus Altcomagenen der Jahre 1933 bis 1938 rekrutierten. Es soll hier nicht versäumt werden, das erste Philisterchargenkabinett Comagenae anzuführen, denn wie schon erwähnt, bestand zwischen 1933 und 1938 kein organisiertes Philisterium: Philistersenior war Bbr. Dr. Hans Geyer, der dieses Amt bis 1956 inne hatte, Philisterconsenior war Bbr. Dir. Hans Gruber, Philisterschriftführer Bbr. Franz Herzog und Philisterkassier Bbr. Dir. Franz Feuchtinger. Die hervorragenden gesellschaftlichen Positionen zahlreicher Alter Herren hoben das Ansehen der Verbindung in der Stadt und im Bezirk ganz beträchtlich. Mit der Gründung der Altherrenschaft erfuhr Comagena jene entscheidende institutionelle Bereicherung, die sich durch ihre Kontinuität und Aktivität im Lauf der bewegten Verbindungsgeschichte noch vielfach bewähren sollte. An Veranstaltungen sind aus diesem Semester eine Landesvaterkneipe, ein Krampusabend und ein schlichter, aber würdevoller Weihnachtskommers zu nennen. Dr. Herbert Geisler und Oberlehrer Alexander Popek erhielten dabei als Ehrenmitglieder die Bänder unserer Verbindung verliehen.

Schon das ChC des Sommersemesters 1950 unter Senior Bbr. Leopold Eigenseder bestand ausschließlich aus Schülern des Tullner Gymnasiums. Leider verstarben in diesem Semester knapp hintereinander die Ehrenmitglieder Bbr. Min. a.D. Rudolf Buchinger und Bbr. Landeshauptmann Josef Reither, die sich in den Gründerjahren 1933 bis 1938 um die Verbindung als Förderer verdient gemacht hatten. Beim Trauerkommers für Bbr. Min. a.D. Rudolf Buchinger hielt der damalige österreichische Bundeskanzler und Ur-Comagene Dipl.Ing. Leopold Figl die Trauerrede. Neben diesen prominenten Trauerfällen gibt es aus diesem Semester aber auch Erfreuliches zu berichten: Im Gasthaus Kleiß konnte eine neue, vorteilhaftere Bude gemietet und adaptiert werden, und Dir. Otto Biack, der große Lokalhistoriker unserer Stadt, hielt eine interessante AC-Reihe unter dem Titel „Die Geschichte der Stadt Tulln“; ausserdem war Comagena bei der MKV-Tagung in Salzburg zu Pfingsten präsent. Ein höchst bemerkenswertes Ereignis in der Verbindungsgeschichte war die Taufe des Protestanten und Comagena-Konkneipanten Franz Langer am 1. Juli 1950: Langer konvertierte zum katholischen Glauben, um Comagene werden zu können, weil die Erfüllung des katholischen Prinzips eine unbedingte Voraussetzung für die Mitgliedschaft in unserer Korporation war. Erst seit der Satzungsreform von 1973, als das strenge katholische durch das umfassendere christliche Prinzip modifiziert wurde, ist es auch nichtkatholischen Christen möglich, Mitglieder unserer Comagena zu werden. Das erste Stiftungsfest nach der Wiedergündung im September 1950 war ein voller Erfolg und fand seine Höhepunkte in der Festrede von Bundeskanzler Dipl.Ing. Leopold Figl, der ebenso wie seine Freunde aus der Ferialis Comagenae, Bezirksschulinspektor Anton Matyas (I.) und Fachlehrer Hermann Biack, durch die Entgegennahme unseres Bandes als Bandphilister offiziell Comagene wurde. Anlässlich dieses Kommerses wurden Ehrenmitgliedschaften Comagenae an Staatssekretär a.D. Dr. Paul Herglotz und Landesrat Johann Waltner verliehen.

Das Wintersemester 1950/51 unter Senior Bbr. Roderich Geyer sah unsere Verbindung vor allem aktiv in den traditionellen Veranstaltungen einer Landesvaterkneipe, einer Nikolokneipe und des Weihnachtskommerses.

Das Sommersemester 1951 unter Senior Bbr. Heinrich Zawichowski wurde mit zwei ACAC eröffnet: Zuerst sprach Kartellbruder (Kbr.) Hradil zum Thema „Ist Farbstudententum noch zeitgemäß?“, und dann erklärte Bbr. Dr. Hans Filz die Grundzüge der österreichischen Verfassung. Der Pennälertag in Melk sah unsere Comagena schon als vollberechtigte Korporation, die übrigens als einzige Verbindung mit Vollwichschargierten teilnahm. Ein weiterer AC in diesem Semester wurde von Dr. Blöch zum Thema „Die sozialen Fragen der Gegenwart“ gehalten. In Erinnerung rufen sollte man auch eine Burgkneipe auf dem Leopoldsberg mit e.v. Ostaricia Wien und eine Fuchsenkneipe, die als Probekneipe für die Fuchsia gedacht war und die Fuchsen als Präsidium und Contrarien, die Burschen aber im Fuchsenstall sah! Das 18. Stiftungsfest Comagenae im GH. Eckerl wurde zu einer Demonstration der Stärke der wieder gegründeten Comagena: 20 Chargierte und über 200 Gäste waren zu begrüßen, und erstmals erklang Comagenas neues Bundeslied (Wo die Lerche jubilierend...), das schon wie das alte Farbenlied aus den Gründerjahren von Bbr. Josef Tasler gedichtet wurde. Der Bürgermeister der Stadt Tulln, Ferdinand Goldmann, wurde anlässlich dieses Kommerses als Ehrenmitglied in die Verbindung aufgenommen.

Im darauf folgenden Wintersemester 1951/52 unter Senior Franz Langer wurden die traditionellen Veranstaltungen der Weihnachtszeit um einen AC bereichert, den Bbr. Hochw. Prof. Franz Edlhofer zum Thema „Probleme der Jugend und katholische Jugenderziehung“ hielt. Die neue und nach den Wünschen des MKV veränderte Geschäftsordnung (GO) wurde aufgenommen; insbesondere die Bbr.Bbr. Rudolf Eigner und Helmut Brunner haben sich bei der Gestaltung der neuen GO verdient gemacht.

Das Sommersemester 1952, unter Senior Franz Hiesinger, wurde mit zwei ACAC eröffnet: Univ.-Prof. Dr. Knoll sprach über „Staat und Kirche“ und Kbr. Rudolf Jelinek über „Studentengeschichte“. Ein erfolgreiches Frühlingsfest und die Teilnahme am Pennälertag in Wien rundeten das Semesterprogramm ab. In der sehr aktiven Ferialis 1952 unter Bbr. Edwin Pircher wurden drei Ferialkneipen geschlagen und das 19. Stiftungsfest gefeiert. Es mag für jüngere Comagenen interessant sein, dass sich die damaligen Stiftungsfeste über zwei Tage erstreckten: Am Samstag wurden der Kumulativconvent, der Altherrenconvent und der Festkommers abgehalten, am Sonntagvormittag wurde die Festmesse besucht, und nachmittags beschloss ein Couleurausflug mit Exkneipe das Stiftungsfest.

Zunächst zeigte sich auch das Wintersemester 1952/53 unter Senior Bbr. Herbert Grusch sehr aktiv und erfolgreich: Comagena nahm vom 10. bis 14. September 1952 am Katholikentag in Wien teil und war auf der Kartellversammlung in Linz präsent. Sodann hielt Kbr. Müller einen hochinteressanten AC unter dem Titel „Katholisches Farbstudententum in Vergangenheit und Gegenwart“, und Kbr. Dr. Scheucher, Kartellseelsorger des MKV, bereitete Comagena in einer religiösen Besinnungsstunde auf den Advent vor. Gegen Ende des Semesters aber zeigten sich die ersten Anzeichen einer krisenhaften Entwicklung. Die Veranstaltungen wurden immer schlechter besucht, der Weihnachtskommers musste wegen Maul- und Klauenseuche abgesagt werden, die Verbindung verlor ihre Bude im GH. Kleiß und konnte im Pfarrheim nur eine vorläufige Unterkunft finden. Der erste Elan nach der Wiedergründung war zweifellos verflogen, und Comagena stand vor schwierigen Zeiten.