Der Salzturm (Römerturm)

Längenschnitt von Bbr. Hans Schuh aus den 80er-Jahren
Das heutige Raiffeisenstüberl in den 50er-Jahren als Betraum der evangelischen Kirche
Der Turm um 1980. Rechts daneben unsere erste Bude.
Der Turm im Jahr 2003

Beschreibung:

Der „Römerturm“ (früher auch „Salzturm“ genannt) steht in Tulln, Donaulände 38. Er hat im Grundriß eine U-Form mit den Ausmessungen von ca. 12 m Länge mal 6 m Breite und ist bis zum Dachfirst knapp 10 m hoch. Seine durchschnittliche Mauerstärke beträgt 90 cm. Er ist dreigeschossig angelegt. Zuletzt wurde er 1969-70 von der Studentenverbindung „Comagena“ im Inneren und 1984 von der Stadtgemeinde Tulln außen restauriert.

Geschichte und Bedeutung:

Der „Römerturm“ ist seit 1984 eindeutig als Flankenturm des Tullner Reiterlagers „Comagenis“ identifiziert, der bis zum Dachfirst römischen Ursprungs ist. Er wurde in der Zeit von 300 bis 370 n. Chr. errichtet und gehört der letzten Ausbaustufe des Lagers an, das damals von einer Kaserne zu einer Befestigung umgebaut wurde. Er blieb bis heute als mächtiger Zeuge der Römerzeit erhalten, hatte vom Mittelalter bis ins 20.Jh. vor allem Lagerfunktionen (Zeughaus, Salzmagazin, daher auch „Salzturm“). Der Turm befindet sich seit dem Mittelalter im Besitz der Stadtgemeinde Tulln, war 1929-1969 an die Evangelische Kirchengemeinde Wördern-Tulln und ist seither an die KÖStV „Comagena“ verpachtet. Der Römerturm zählt zu den wenigen voll erhaltenen antiken Gebäuden nördlich der Alpen und ist eines der ältesten Gebäude Österreichs.

Lage, Gestalt, Größe:

Lage, Gestalt und Größe des Tullner Römerlagers „Comagenis“ im Nordosten der Tullner Altstadt wurden durch archäologische Untersuchungen 1984-94 weitestgehend gesichert. Die Identifizierung des „Römerturmes“ sowie die Ausgrabungen des östlichen Doppeltores und des südöstlichen Fächerturmes lieferten die Fixpunkte für die Rekonstruktion eines geometrisch angelegten rechteckigen Lagers (mit Unsicherheiten im Donaubereich, wo ein Großteil des Lagers von der Donau weggerissen worden ist), das ca. 190 m x 250 m (ca. 5 ha) groß war.

Geschichte:

Das Tullner Reiterlager „Comagenis“, das ca. 600 Reiter beherbergte, wurde um 100 n.Chr. angelegt (zuerst als Holz-Erde-Bau, dann als Steinbau mit mehreren Umbauphasen). Erst vor kurzem wurde im Bereich des östlichen Doppeltores eine Bauinschrift entdeckt, die aus dem Jahre 104 n. Chr. (unter Kaiser Trajan) stammt und Tulln berechtigt, im Jahre 2004 „1900 Jahre Comagenis“ zu feiern. Zu dieser Zeit wurde eine Reitereinheit aus dem kleinasiatischen „Kommagene“ hierher verlegt, die dem Lager den Namen gab. Zuerst Kaserne für mobile Reiter am Donaulimes, wurde das Lager im 4. Jh. (mit Beginn der Völkerwanderung) zu einer Befestigung umgebaut. Aus dieser Zeit ist uns unter anderem der „Römerturm“ erhalten.