Ferialis Comagena (1919-1933)

Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1918) war die demokratische Periode der Ersten Republik (1918–1933/34) von drei politischen Lagern geprägt, die sich ideologisch unversöhnlich gegenüberstanden
und sogar über bewaffnete Wehrverbände verfügten. Das christlich-soziale Lager war katholisch-konservativ orientiert, bekannte sich eindeutig zu Österreich und stützte sich auf Bauern, Unternehmer, Beamte, Lehrer und daneben auch auf Angestellte und Arbeiter. Aus diesem Lager rekrutierten sich die katholischen Hochschul- und  Mittelschulverbindungen. Das sozialdemokratische Lager war kirchenfeindlich, revolutionär und reformorientiert, befürwortete eine Anschluss an das Deutsche Reich und stützte sich v. a. auf die breite Masse der Arbeiter und Angestellten. Das nationale Lager drängte auf einen Anschluss an das Deutsche Reich und war mit den nationalen (schlagenden) Hochschulverbindungen veknüpft. Unüberbrückbare ideologische Gegensätze, die sich seit dem Justizpalastbrand 1927 noch verschärften,  autoritäre Tendenzen und die seit 1929 wirksame Weltwirtschaftskrise führten aber 1933/34 zum Ende der demokratischen Periode.

Die ersten Impulse für die Gründung einer eigenen Studentenverbindung in der Bezirksstadt Tulln (seit 1892) kamen aus St. Pölten, wo 1919 zwei Studentenverbindungen – e.v. Aggstein St. Pölten und e.v. Nibelungia St. Pölten – gegründet wurden. Diese hatten sich zum Ziel gesetzt, in den Städten und größeren Märkten im Umkreis von St. Pölten Studentenverbindungen, vielfach auf dem Wege einer Ferialis, zu initiieren. In Tulln bemühte sich der Fuchsmajor e.v. Nibelungia St. Pölten, Leopold Figl, um diese Zielsetzung.

Der Student aus Rust im Tullnerfeld, der später zu einem der bedeutendsten Staatsmänner der Republik Österreich aufsteigen sollte, hatte über den Tullner Turnverein viele freundschaftliche Kontakte in der Donaustadt. Und so trafen sich während der Ferien junge Tullner Studenten im Hause der Lehrerfamilie Biack, wo Leopold Figl in locker-geselliger Atmosphäre „Verbindung hielt“.

An diesen Zusammenkünften nahmen unter anderem Hermann Biack, Karl Biack (der 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde) und nicht zuletzt Anton Matyas (der Vater von Bbr. Anton Matyas sen.) teil. So war auf Initiative Leopold Figls die „Ferialis Comagena“ entstanden, die zwar noch keine eingetragene Verbindung war, keine Statuten hatte, aber voller Stolz und Traditionsbewusstsein den altrömischen Namen Tullns trug. Damit war schon in den Anfängen der Ersten Republik die „Comagena-Idee“ geboren und der ideelle Grundstein für die spätere Verbindung gelegt.