Ideologisch bedingte Krise (1971-1973)

Wohl war es im Jänner 1971 schon zum Bruch zwischen den radikalen Aktiven und der Altherrenschaft gekommen, aber noch zu keiner Trennung von dieser Gruppe, die verbittert über ihr Scheitern keine Chargenämter mehr annahm und die Veranstaltungen boykottierte. Daher setzte sich der ChC des Sommersemesters 1971 unter Senior Bbr. Wolfgang Dier vor allem aus Mitgliedern der gemäßigten Aktivitas zusammen, deren Semesterprogramm aus handfesten Veranstaltungen bestand. Einem Rock-and-Roll-Kränzchen folgte ein AC mit Dir. Dr. Franz Vogler von der Zuckerfabrik über „Aktuelle Probleme der Zuckerwirtschaft“ anlässlich der Eröffnung des „Raiffeisenzimmers“ der Bude (oberster Raum) durch Generalanwalt Dr. Rudolf Rasser. Nach der Maiwanderung, die wieder nach Langenschönbichl führte, wurde – erstmals im Frühjahr – eine Landesvaterkneipe geschlagen, und es gelangten ein Maikränzchen und ein Waldfest (im Försterhaus Dier) zur Durchführung.

Der allmähliche Rückzug der frustrierten Ideologen aus dem Verbindungsleben, aber auch das Desinteresse gemäßigter Aktiver führte schon im Wintersemester 1971/72 zu einer schweren personellen Krise. Da kein ChC (früher CC) gebildet werden konnte, wurde ein Komitee um den Neoburschen Bbr. Karl Schneller beauftragt, die wichtigsten Agenden der Verbindung wahrzunehmen. Typisch für diesen personellen Tiefpunkt der Aktivitas ist die Tatsache, dass es damals nur einen Fuchsen gab. Daher ist nicht verwunderlich, dass in diesem Krisensemester nur drei Veranstaltungen durchgeführt werden konnten: Im Rahmen des mäßig besuchten Stiftungsfestes wurden Pfarrer Franz Großhagauer, der von nun an bis heute die Agenden des Verbindungsseelsorgers erfüllte, sowie Förster Franz Dier als Ehrenmitglieder aufgenommen; ein Barbarakränzchen und ein Weihnachtsabend beschlossen dieses Krisensemester.

Im darauf folgenden Sommersemester 1972 konnte mit Mühe ein ChC (ohne Consenior) unter dem Senior Bbr. Karl Schneller gebildet werden. Trotz der Bemühungen des ChC, der Verbindung neue Impulse zu geben und die Krise abzufangen, verschlechterte sich die personelle Lage der Aktivitas nun rapid, da sich die radikalen Aktiven nun vollends aus dem Verbindungsleben zurückzogen. An Veranstaltungen dieses Semesters sind zu nennen: zwei ACAC, wobei zuerst Bbr. Hans Schuh aus Praxis bezogener Sicht über den Bau der Zemmkraftwerke sprach und dann Bbr. Prof. Dr. Roderich Geyer, der das heikle Thema „Diözesansynode – demokratisches Alibi der Kirche?“ aufrollte; weiters sind die Maiwanderung nach Langenschönbichl und der zweite „Western Saloon“ anzuführen. Paradoxerweise fällt aber in dieses krisenhafte Semester eine überaus bedeutende Veranstaltung der Verbindungsgeschichte: Vom 19. bis 22. Mai 1972 fand in Tulln der Pennälertag statt. Auf Grund seiner Bedeutung ist diesem Großereignis ein eigener Beitrag auf der folgenden Seite gewidmet, den der Hauptorganisator des Tullner Pennälertages, Bbr. Dir. Alfred Paal, verfasst hat. Da der Pennälertag schon vor der Krise fixiert worden war und die Aktivitas außerstande war, diese Großveranstaltung durchzuführen, übernahm die Organisation und Durchführung dieser Repräsentationsveranstaltung die Altherrenschaft: Insbesondere die BbrBbr. Dir. Alfred Paal, Ing. Dietrich Heindl, Prof. Karl Heinl, Dr. Werner Hetsch und Hans Sykora haben sich um den Pennälertag verdient gemacht. In den folgenden zwei Semestern kulminierte die ideologisch verursachte personelle Krise der Aktivitas.

Da in diesen Semestern keine Chronik geführt wurde und auch nur zwei BC-Protokolle vorhanden sind, musste sich der Autor dieser Zeilen auf mündliche Aussagen und das Gästebuch als Quellen stützen, um diesen Semestern historisch gerecht werden zu können.

Für das Wintersemester 1972/73 wurde wohl unter Senior Bbr. Wolfgang Siller ein ChC bestimmt, der aber durch Austritte und Inaktivität alsbald auf das Duo Bbr. Wolfgang Siller und Bbr. Hans Schuh schrumpfte. Dieses Duo konnte aber den Verbindungsbetrieb aufrechterhalten und die traditionellen Veranstaltungen des Wintersemesters zur Durchführung bringen: Anlässlich des Stiftungsfestes wurde Bbr. Dir. Alfed Paal für seine Verdienste um den Pennälertag mit dem Ehrenring Comagenae ausgezeichnet; auch eine Landesvaterkneipe und der Weihnachtskommers erfreuten sich regen Zuspruchs. Darüber hinaus hatte das „Turmrestaurant im Salzturm“ geöffnet, und Bbr. Hans Schuh wiederholte seinen Vortrag über den Bau der Zemmkraftwerke. Beim KC anlässlich des Stiftungsfestes versuchten die radikalen Aktiven ein letztes Mal, die Satzung in ihrem Sinne zu ändern, scheiterten aber vollends; die neue Satzung mit voller Wahrung unserer Prinzipien wurde bei einem außerordentlichen KC im Frühjahr 1973 beschlossen. Die wichtigsten neuen Inhalte der Satzung waren die Namensänderung auf „Katholisch Österreichische Studentenverbindung Comagena“ und die Verankerung des christlichen Prinzips als Erweiterung des streng katholischen Prinzips.

Im Sommersemester 1973 konnte überhaupt kein ChC mehr gebildet werden. Nun zeigte sich die Vorteilhaftigkeit des Verbindungsaufbaus in Aktivitas und Altherrenschaft, denn diese, in praxi der Philistersenior Bbr. abs. iur. Karl Hofmann, übernahm die Führung der Verbindungsagenden der Aktivitas. Bbr. Karl Hofmann konnte sogar ein Semesterprogramm zur Durchführung bringen und neben den Semesterkneipen auch die Maiwanderung und einen Lichtbilder-AC mit Bbr. DI Horst Peham über Brasilien realisieren. Zusätzlich zur Österreichischen Gartenbaumesse wurde auch anlässlich der Campa/Boot ein Studentencafé organisiert. In diesem Semester wurden die radikalen Aktiven wegen Bruchs des Burscheneides, verbindungsschädigenden Verhaltens und Interesselosigkeit dem Verbindungsgericht zugeführt. Es ist müßig, die vielfältigen Verdienste von Bbr. Mag. Karl Hofmann für die Verbindung hervorheben zu wollen; aber seine Leistungen in diesem Krisensemester verdienen eine besondere Würdigung.

In die Ferialis 1973 fallen eine Ferialkneipe mit Gästen aus den USA und eine „Kramer-Session“ (Musikabend mit Manfred Kramer und seiner Band). Ende des Sommersemesters 1973 war die Situation der Verbindung trotz des Eingreifens der Altherrenschaft äußerst kritisch, denn schließlich steht und fällt auf Dauer jede Verbindung mit einer intakten Aktivitas. An die künftige Entwicklung unserer Comagena war angesichts der Dimittierungen und Austritte, aber auch der teilweisen Interesselosigkeit der Aktivitas und auf Grund des schwachen Fuchsenstandes vorerst nicht zu denken. Dazu kam, dass Comagenas Ruf im Tullner Gymnasium nicht der beste war und bundesbrüderliche Kontaktprofessoren aus dem Dienst geschieden waren. Was Comagena blieb, waren die wenigen getreuen Aktiven, eine intakte Altherrenschaft und die herrliche Bude im Salzturm.