Personelle Krise (1953-1956)

Bereits im Sommersemester 1953, unter Senior Bbr. Franz Langer, zeichnete sich die personelle Krise der Verbindung deutlich ab: Die Fuchsia war auf zwei Fuchsen zusammengeschmolzen, und vom Gymnasium war kein Nachschub zu erwarten, denn die damaligen Gymnasialklassen hatten nur wenige Schüler, unter ihnen viele mit schlechten Verkehrsverbindungen nach Tulln, so dass sie als potentielle Comagenen ausschieden. Auch die Aktivitas verfügte über sehr wenige Burschen, die für eine Chargentätigkeit in Frage kamen, weil inzwischen zahlreiche Burschen maturiert hatten und in Wien studierten und wohnten, wobei sie vielfach Zugang zu CV-Verbindungen fanden und ihr Interesse an der Comagena zurücksteckten. Daher konnten nur wenige Pflichtveranstaltungen durchgeführt werden, und viele BC-Beschlüsse blieben ohne entsprechende Durchführung. Werbeveranstaltungen für unsere Verbindung unter den Tullner Gymnasiasten blieben ohne Erfolg, weil diese inzwischen bei der Katholischen Jugend oder bei den Pfadfindern Betätigungsfelder gefunden hatten.

Trotz der angespannten personellen Situation und der Notbude im Pfarrheim gelang es dem Senior Bbr. Edwin Pircher und seinem ChC im Wintersemester 1953/54 sehr erfolgreiche Veranstaltungen zu verwirklichen. So gestaltete sich das 20. Stiftungsfest Comagenae zu einem großen Ereignis: Bbr. Außenminister DI Leopold Figl hielt die Festrede, LAbg. Roman Gutscher und Ing. Josef Huppmann als Ehrenmitglieder und Reg.-Rat Franz Pfeifer als Bandphilister wurden durch Bandverleihungen Mitglieder unserer Verbindung, und schließlich wurden mit e.v. Arminia Klosterneuburg und e.v. Ostaricia Wien Freundschaftsbänder getauscht.

Auch im Sommersemester 1954 leitete Bbr. Edwin Pircher die Verbindung. Nun war aber die personelle Lage der Aktivitas schon derart angespannt, dass nur mehr drei Chargen zur Verfügung standen. Die Aktivitäten mussten sich daher auf das Nötigste beschränken, wobei ein AC mit Bbr. LAbg. Roman Gutscher über „Aktuelle Politik“ zu erwähnen ist. Allerdings konnte im GH. Eckerl eine neue Bude gemietet werden.

Leider existieren aus den folgenden vier Semestern, vom Wintersemester 1954/ 55 bis einschließlich Sommersemester 1956, keine Chroniken und auch nur wenige BC-Protokolle. Daher war der Verfasser dieser Zeilen auf das Gästebuch, vor allem aber auf mündliche Aussagen damaliger Verbindungsmitglieder angewiesen, um diese schwierige Periode der Verbindungsgeschichte einigermaßen rekonstruieren zu können.

Für das Wintersemester 1954/55, unter Senior Bbr. Franz Langer, konnte die Durchführung des Stiftungsfestes, der Nikolokneipe und des Weihnachtskommerses ermittelt werden. Im Sommersemester 1955 war offenbar der Tiefpunkt der Krise erreicht: Es konnte kein ChC mehr gebildet werden, ja die Verbindungsagenden wurden im Stil einer Ferialis von den BbrBbr. Herbert Grusch und Adolf Ganser geführt. Das Verbindungsleben beschränkte sich auf gelegentliche Zusammenkünfte geselliger Art. Auch innerer Zwist und vereinzelte Aktionen im jugendlichen Übermut schadeten dem Ansehen der Verbindung in der Öffentlichkeit und trugen dazu bei, dass sich die personelle Situation nicht bessern konnte.

Im Wintersemester 1955/56 konnte unter dem Senior Bbr. Edwin Pircher wieder ein Rumpf-ChC gebildet werden. Aber schon im Sommersemester 1956 war Edwin Pircher Senior eines nun bereits wieder kompletten ChC. In diesen beiden Semestern konnten die wichtigsten Agenden Comagenas wahrgenommen werden und damit die Auflösung der Verbindung, die damals bereits in Diskussion war, verhindert werden. Es gehört zu den großen Verdiensten Bbr. Edwin Pirchers um die Verbindung, dass er in dieser kritischen Phase als Altbursch, der schon längst der Altherrenschaft angehören sollte, trotz aller offensichtlicher Aussichtslosigkeit die Verbindung weiterführte und sich einer Auflösung widersetzte. Besonders Bbr. Prof. Dr. Walter Fleischhacker hat ihn in diesem Bestreben unterstützt.

Leider befand sich unsere Comagena in der Zeit, als Österreich durch die Unterzeichnung des Staatsvertrages – woran die Comagenen Außenminister Dipl.Ing. Leopold Figl, aber auch Botschafter Dr. Kurt Waldheim führend beteiligt waren – die volle Souveränität wieder erreichte, in einer existentiellen Krise, die aber dank der unverdrossenen kontinuierlichen Arbeit einzelner Bundesbrüder nicht zur Auflösung der Verbindung führte und die Konsolidierung ermöglichte.