Wiedergründungsbestrebungen (1945-1949)

Als 1945 das „Dritte Reich“ zusammenbrach und die Republik Österreich wieder errichtet wurde, war aber zunächst an eine Wiedergründung der Verbindung noch nicht konkret zu denken. Denn existentielle Probleme beherrschten damals das Denken und Handeln der Österreicher und die Zweite Republik stand angesichts der Viermächtebesatzung noch auf schwachen Beinen. Es darf wohl in einer Historia Comagenae nicht unerwähnt bleiben, dass nach den ersten freien Wahlen im wiedererstandenen Österreich am 25. November 1945 der erste Bundeskanzler der Zweiten Republik der Ur-Comagene aus der Ferialis der Zwanziger Jahre Dipl.Ing. Leopold Figl war, der dieses hohe und damals so verantwortungsvolle Amt bis 1953 bekleidete.

Neben existentiellen Problemen gebot insbesondere die Anwesenheit der russischen Besatzungsmacht in Tulln eine Wiedergründung unserer Verbindung immer wieder aufzuschieben. Aber durch die allmähliche Konsolidierung des politischen und wirtschaftlichen Lebens war dann 1948/49 der äußere Rahmen gegeben, um eine Wiedergründung Comagenae ernsthaft ins Auge fassen zu können.

Besonders im CV-Bezirksphilisterzirkel verstummte nie die Forderung nach einer Wiedergründung der Comagena. Insbesondere der Judenauer Gemeindearzt Dr. Hans Geyer, der Gymnasialprofessor Dr. Walter Fleischhacker und der Bezirkshauptmann Dr. Johann Sykora haben sich seitens des CV-Zirkels für eine Wiedergründung unserer Korporation eingesetzt. Dr. Geyers Sohn Roderich warb im Tullner Bundesrealgymnasium erfolgreich um junge Mitglieder für die wieder zu gründende Verbindung, die dann im Wesentlichen den Kern der ersten Aktivitas bildeten.

Neben dem CV-Bezirksphilisterzirkel hat sich die damalige Tullner CV-Aktivitas um die Wiedergründung unvergängliche Verdienste erworben, wobei hier besonders Anton Matyas (II.), Rudolf Eigner und Helmut Brunner zu nennen sind. Auch der Aggstein-Bezirksphilisterzirkel unterstützte sehr rege die Wiedergründungsbestrebungen. Schon im Frühjahr 1949 wurde unter der Patronanz des CV-Zirkels eine Frühlingskneipe erfolgreich geschlagen, die eine positive Resonanz auf die Idee des Farbstudententums, insbesondere bei den Studenten des Tullner Gymnasiums, zeigte.

Ein letzter Anstoß zur Wiedergründung Comagenae erfolgte im Juni 1949 anlässlich eines Ausfluges des CV-Zirkels nach Reidling. In einem dortigen Weinkeller kam von Rudolf Eigner der Vorschlag, Comagena vorläufig wenigstens als Ferialis wieder zu begründen, eine Idee, die bei den Anwesenden sofort begeisterte Zustimmung fand.